< 29 - SV Werder Bremen II (H)

25.03.2018
Kategorie: Punktspiel, 1.Mannschaft, 2017/2018
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Von: Lenny

30 - Sportfreunde Lotte (A)


Der Chemnitzer FC hat im Abstiegskampf einen bitterbösen Rückschlag erlitten. So unterlagen die Himmelblauen bei den Sportfreunden aus Lotte mit 1:3, sodass der unmittelbare Konkurrent seinen Vorsprung wieder auf sieben Punkte ausbauen konnte. In der zweiten Halbzeit kochten bei den Anhängern die Emotionen über, als zuerst Bergner auf die Tribüne geschickt und anschließend Frahn des Feldes verwiesen wurde. Als diese daraufhin den Innenraum betraten, musste die Partie für eine Viertelstunde unterbrochen werden.

Fans mit klarer Botschaft: „Gemeinsam!“
Allen himmelblauen Anhängern war im Vorfeld klar: Das Spiel bei den Sportfreunden Lotte, die mit vier Punkten Vorsprung auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz stehen, wird das Abstiegs-Endspiel schlechthin. Insgesamt nahmen exakt 754 CFC-Fans die 500 Kilometer nach Westfalen auf sich, um den eigenen Verein zu unterstützen. Neben zahlreichen Autos und Transportern fuhren weiterhin drei vom „Fanszene Chemnitz e.V.“ organisierte Busse, an denen sich die Mannschaft finanziell mitbeteiligte.
Als diese sich im „Frimo-Stadion“ warmlief, hing am Zaun des Gästeblocks das Banner mit der unmissverständlichen Botschaft: „Gemeinsam!“ Dazu wurde lautstark supportet, sodass bereits vor dem Anpfiff eine Heimspielatmosphäre herrschte. 2.312 Zuschauer waren final anwesend.

Himmelblaue verschlafen den Anfang
Im Vergleich zum Heimspiel-Erfolg gegen die zweite Mannschaft des SV Werder Bremen gab es eine Veränderung, so kehrte nach seinem Magen-Darm-Infekt Frahn wieder in die Startelf zurück. Aydin musste folglich auf der Bank Platz nehmen. Die himmelblauen Fans behielten die Support-Hoheit inne und skandierten lautstark: „Auf geht's kämpfen und siegen!“

Für einen offensiven Beginn auf dem „Acker zu Lotte“ sorgten aber die Gastgeber, welche die erste sich bietende Möglichkeit ausnutzten – und dabei die Himmelblauen, mit 56 Gegentoren die Schießbude der Liga, eiskalt erwischten. Heyer köpfte in der siebten Minute nach einem Eckball unbedrängt ein. Für den CFC war es das 20 Gegentor, das aus einer Standardsituation resultierte.

Zehn Minuten später zappelte der Ball ein zweites Mal im Kasten von Tittel. Lotte darf sich –dank himmelblauer Passivität – spielend leicht durchkombinieren, der Treffer blieb aber am Ende Mlynikowski vorbehalten. Tittel konnte den Kopfball nur nach vorn – und damit direkt auf das Knie seines Mitspielers – abwehren. Mit diesem Eigentor führten die Sportfreunde nach 17 Minuten bereits mit 2:0.

Schiedsrichter Kempkes rückt in den Mittelpunkt
Die in solargrün spielenden Himmelblauen werden anschließend besser, trauen sich mehr zu und haben mit Grote, Slavov und Bachmann mehrere kleine Chancen. Unmittelbar vor der Pause spielt Mlynikowski Doppelpass mit Baumgart und darf nach diesem allein auf das Lotter Tor zulaufen. Schiedsrichter Kempkes unterbricht jedoch die Partie und entscheidet nicht auf etwa auf Foulspiel an, sondern vielmehr von Baumgart. Eine katastrophale Fehleinschätzung. Es sollte nicht seine letzte sein.

So ging es nämlich direkt nach dem Seitenwechsel weiter: Nach Bachmann-Flanke und Slavov-Vorlage nimmt Baumgart den Ball im Strafraum mustergültig mit der Brust an, wird  dabei aber vom Gegenspieler umgestoßen. Anstatt – wenn überhaupt – auf Foulelfmeter zu entscheiden, sah Kempkes in diesem Zweikampf ein Handspiel von Baumgart. CFC-Coach Bergner bewertete das mit einer fliegenden Flasche auf den Boden, woraufhin er auf die Tribüne geschickte wurde.  

„Das ist Betrug, was Du hier machst!“
Aber es sollte noch schlimmer kommen: In der 59. Minute setzte sich der Lotter Verteidiger Rahn auf den Rasen, um sich seinen Schuh wieder anzuziehen. Diesen hatte er zuvor bei dem himmelblauen Angriff absichtlich ausgezogen und zu Boden geworfen. Kempkes griff hierbei nicht ein. Frahn, alles andere als amused darüber, stellte den Schiedsrichter daraufhin zur Rede und kassierte berechtigterweise die gelbe Karte und wenige Sekunden später dann die Ampelkarte. Und das nur, weil er den Schiedsrichter auf das unsportliche Verhalten des Lotter Spieler hinwies. Von Kempkes, dem für solch ein existentielles Spiel das Fingerspitzengefühl vollends fehlte, verabschiedet er sich mit den Worten: „Das ist Betrug, was Du hier machst!“  

CFC-Fans „provozieren“ Spielunterbrechung
Nicht nur Frahn war emotional erbost, sondern ebenfalls der Gästemob. Dieser ließ zum einen mit lautstarken „Schieber“-Rufen und geworfenen Bierbechern seinen Unmut freien Lauf, zum anderen wurde ein Zaunelement aus der Verankerung gelöst und daraufhin der Innenraum betreten. Kempkes war mit dieser Situation überfordert, unterbrach die Partie und verschwand in den Katakomben. Der Stadionsprecher versuchte mit dem Satz: „Es ist doch nur Fußball, liebe Freunde“ die Gemüter zu beruhigen. Sicherheitskräfte und Polizei gelang es, wenngleich mit dem Einsatz von Pfefferspray, die Lage nach einer Viertelstunde wieder in den Griff zu bekommen. Der Zaun wurde übrigens profifußballwürdig mit zwei Kabelbindern neu befestigt.

Slavov verkürzt und ein Konter entscheidet die Abstiegs-Endspiel
Die Unterbrechung tat den Himmelblauen gut und half ihnen, den Anschlusstreffer zu erzielen. Reinhardt marschierte zielstrebig aus der eigenen Hälfte los, nahm Hansch mit, welcher den Ball wieder an Reinhardt zurückgab. Es folgten eine gefühlvolle Flanke und ein harter Abschluss von Slavov. Nach dem 1:2-Anschlusstreffer eskalierte es im Gästeblock, alle jubelten, alle drehten durch, es war exzessiv – und in den verbleibenden Minuten lautstark. Die himmelblauen Fans sangen, wollten den Ausgleich sehen, nur wurde dieser Wunsch von einem Konter zerstört – und damit höchstwahrscheinlich des Schicksal des Chemnitzer FC in der 3. Liga besiegelt.

Wann stirbt die Hoffnung?!
Während sich die Sportfreunde aus Lotte über einen elementaren Befreiungsschlag freuen dürfen, hat der Chemnitzer FC einen bitterbösen Rückschlag einstecken müssen, an dem sie – so ehrlich muss man sein – teilweise selbst Schuld sind. Die ersten 20 Minuten waren schlichtweg unterirdisch, der Zwei-Tore-Rückstand entsprechend verdient. Was danach allerdings geschah, geht allein auf die Kappe von Kempkes und seinen Assistenten. Mehrfach wurde den Himmelblauen die Chance genommen, einen früheren Ausgleich zu erzielen, zudem mit Frahn sein bester Torschütze nach einer Stunde.

Rein rechnerisch kann der Chemnitzer FC noch den Klassenerhalt schaffen. Um wieder auf vier Punkte an Lotte heranzurücken, muss aber das Nachholspiel gegen den SV Wehen-Wiesbaden unbedingt gewonnen werden. Falls das nicht eintritt, stirbt die Hoffnung mehr und mehr…


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